VHS-Webinare – jetzt von zuhause aus an VHS-Kursen teilnehmen
Noch vor einigen Jahren wären Webinare und andere E-Learning-Angebote an den meisten Volkshochschulen vollkommen undenkbar gewesen. Die VHS warb mit Wohnortnähe und behauptete sich so gegen die zunehmende Digitalisierung des Bildungssektors. Für all diejenigen, die weder teure Präsenzseminare bei privaten Anbietern noch unpersönliche Fernlehrgänge belegen wollten, war und ist die VHS somit die ideale Lösung.
Der digitale Wandel macht aber dennoch nicht vor den Volkshochschulen halt und hat diese nicht zuletzt im Zuge der Corona-Krise zu einem Umdenken bewogen. Mittlerweile existieren VHS-Webinare, Live-Streams, Online-Kurse und andere digitale Angebote. Interessierte können somit von zuhause aus an dem einen oder anderen VHS-Kurs teilnehmen, ohne dafür einen einzigen Schritt vor die Tür zu setzen.
Webinare, Online-Kurse und andere E-Learning-Formate existieren zwar bereits seit einigen Jahren, aber für Lernende, die sich bislang stets auf die klassische Präsenz-VHS konzentriert haben, sind sie dennoch Neuland. Es besteht daher ein nicht zu verachtender Informationsbedarf, wenn es um VHS-Webinare beziehungsweise Online-Kurse an der Volkshochschule geht. Im Folgenden finden Interessierte daher weitergehende Informationen, um sich ein eigenes Bild machen zu können. Bei Fragen können sie auch jederzeit die örtliche VHS kontaktieren und sich persönlich beraten lassen.
Das macht ein Webinar aus
Unabhängig vom jeweiligen Anbieter stellt sich regelmäßig die Frage, worum es sich bei einem Webinar konkret handelt. Dass es sich um ein Angebot aus dem E-Learning-Bereich handelt, liegt schnell auf der Hand, aber ansonsten herrscht bei interessierten Laien zunächst Ratlosigkeit.
Der Begriff Webinar ist die Kurzform fĂĽr Web-Seminar und beschreibt dementsprechend ein Seminar, das ĂĽber das Internet abgehalten wird. Im Laufe der Zeit hat der Begriff einen gewissen Bedeutungswandel vollzogen und steht heute als Oberbegriff fĂĽr unterschiedlichste Lehrveranstaltungen in virtuellen Klassenzimmern.
Konkret bedeutet das: Zu einem festgelegten Termin loggen sich Kursleitung und Teilnehmende in eine Videokonferenz-Software ein – an den Volkshochschulen kommen dafür meist Plattformen wie Zoom, BigBlueButton, Edudip oder die VHS-eigene vhs.cloud zum Einsatz. Die Lehrkraft ist per Videobild und Ton zugeschaltet, teilt ihren Bildschirm, zeigt Präsentationsfolien und erläutert die Inhalte live. Die Teilnehmenden verfolgen das Geschehen am eigenen Rechner und können sich aktiv einbringen.
Ein gutes VHS-Webinar ist dabei keine EinbahnstraĂźe. Typische Elemente sind:
- Live-Vortrag der Kursleitung per Bild und Ton
- geteilter Bildschirm mit Folien, Dokumenten oder Software-Demonstrationen
- Text-Chat fĂĽr Fragen und kurze Wortmeldungen
- Wortmeldungen per Mikrofon und Kamera, oft per Handheben-Funktion geregelt
- Umfragen, Quizfragen und gemeinsame Whiteboards
- Gruppenarbeit in sogenannten Breakout-Räumen, etwa für Sprachübungen
Webinar oder Online-Kurs – das sind die Unterschiede
Da die Bezeichnung Webinar nicht mehr nur für klassische Web-Seminare verwendet wird, ist es teilweise schwierig, eine exakte Abgrenzung von Webinaren und Online-Kursen vorzunehmen. Häufig werden beide Begriffe in einem Atemzug genannt, ohne dass die Unterschiede der beiden E-Learning-Formen deutlich werden. Wer mithilfe des Internets das lebenslange Lernen verfolgt und sich weiterbilden möchte, sollte allerdings um die diversen Formate wissen und zwischen Webinaren und Online-Kursen differenzieren können. Selbst die Volkshochschulen verwenden die Bezeichnungen teilweise unscharf, so dass Interessierte besonders gut hinsehen müssen.
All diejenigen, die ein virtuelles Bildungsangebot wahrnehmen möchten und sich beispielsweise für ein VHS-Webinar interessieren, können anhand der folgenden Ausführungen die Eigenheiten der verschiedenen Lernoptionen besser erkennen.
- Webinar
Webinare finden zu festgelegten Zeiten in virtuellen Klassenzimmern statt und kommen als Live-Veranstaltungen daher. Ein Stream sowie ergänzende Chat-Möglichkeiten sind hier oftmals gegeben. Die Teilnehmenden können direkt Fragen stellen und von zuhause aus lernen, müssen aber die vorgegebenen Termine einhalten. - Online-Kurs
Online-Kurse stehen über das Internet zur Verfügung und erfordern lediglich einen Login. Über die E-Learning-Plattform des betreffenden Anbieters können die Teilnehmenden jederzeit und überall auf Videos, Skripte, Texte, Übungen und die Community zugreifen.
Der wesentliche Unterschied zwischen einem Online-Kurs und einem Webinar besteht darin, dass ein Webinar live stattfindet und daher einen fixen Termin vorsieht. Online-Kurse bieten dahingegen maximale Flexibilität, da sie zeitlich und örtlich unabhängig absolviert werden können. Kontaktmöglichkeiten sowie eine aktive Community bestehen trotzdem, so dass sich ein Online-Kurs als gute Lösung für alle erweist, die maximale Freiheiten brauchen oder erwarten.
In der Praxis mischen viele Volkshochschulen beide Formate. Ein Sprachkurs kann beispielsweise wöchentliche Live-Webinare mit selbstständigen Übungsphasen auf einer Lernplattform kombinieren. Solche Mischformen werden oft als Blended Learning bezeichnet und vereinen die feste Struktur eines Webinars mit der Flexibilität eines Online-Kurses.
Welche VHS-Webinare gibt es?
Das digitale Programm der Volkshochschulen ist inzwischen breit gefächert und längst nicht mehr auf einzelne Fachbereiche beschränkt. Wer das gedruckte oder digitale Programmheft seiner VHS durchblättert, stößt auf Live-Webinare aus nahezu allen klassischen VHS-Bereichen. Besonders häufig anzutreffen sind:
- Sprachen – Englisch, Spanisch, Italienisch und Co. mit Live-Konversation in Kleingruppen
- Beruf und EDV – etwa Excel, Word, Buchhaltung, Online-Marketing oder der Umgang mit Künstlicher Intelligenz
- Gesundheit – Vorträge zu Ernährung, Entspannung oder Stressbewältigung, teils auch angeleitete Bewegungseinheiten
- Gesellschaft und Politik – Vortragsreihen, Diskussionsabende und Lesungen, oft kostenfrei oder sehr günstig
- Kultur und Kreativität – Schreibwerkstätten, Foto-Grundlagen oder Kunstgeschichte
- Grundbildung und Digitalkompetenz – Kurse, die im Umgang mit Smartphone, Tablet und Internet unterstützen
Gerade kurze Vortrags-Webinare am Abend, die nur ein bis zwei Stunden dauern, erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie bieten einen niederschwelligen Einstieg, kosten wenig und lassen sich gut in den Alltag einbauen. Umfangreichere Sprach- oder EDV-Kurse erstrecken sich dagegen wie in der Präsenz über ein ganzes Semester mit wöchentlichen Terminen.
Die Online-Angebote der Volkshochschulen
Interessierte an einem VHS-Webinar können sich zunächst an die örtliche Volkshochschule wenden und dort nach den E-Learning-Angeboten erkundigen. Aufgrund der örtlichen Unabhängigkeit kann die Suche nach passenden VHS-Kursen aber auch auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet werden. Da man ohnehin von zuhause teilnimmt, spielt es keine Rolle mehr, ob die anbietende VHS im eigenen Ort oder mehrere hundert Kilometer entfernt sitzt.
Der Deutsche Volkshochschul-Verband ist diesbezüglich eine lohnende Adresse. Über die zentrale vhs.cloud sowie die Programmseiten der einzelnen Volkshochschulen können sich Interessierte zunächst über das digitale Lernen an der VHS informieren und im nächsten Schritt einen passenden Kurs suchen.
FĂĽr wen eignen sich VHS-Webinare?
VHS-Webinare richten sich grundsätzlich an dieselbe breite Zielgruppe wie die Präsenzkurse der Volkshochschulen, sprechen darüber hinaus aber Menschen an, für die ein regelmäßiger Weg zum Kursort schwierig ist. Besonders profitieren:
- Berufstätige mit wenig Zeit, die sich den Weg zur VHS sparen möchten
- Eltern, die abends nach dem Zubettbringen der Kinder noch lernen wollen
- Menschen in ländlichen Regionen mit dünnem Kursangebot vor Ort
- Personen mit eingeschränkter Mobilität oder gesundheitlichen Einschränkungen
- alle, die ein ganz bestimmtes Thema suchen, das die eigene VHS nicht anbietet
Ehrlich gesagt sind Webinare aber nicht für jeden die beste Wahl. Wer im Lernen viel Selbstdisziplin braucht, vom direkten persönlichen Kontakt lebt oder mit Technik auf Kriegsfuß steht, fühlt sich in einem klassischen Präsenzkurs oft wohler. Auch praktische Inhalte, bei denen die Kursleitung körpernah korrigieren muss – etwa bestimmte Bewegungs-, Werk- oder Laborkurse -, lassen sich online nur eingeschränkt vermitteln. Es lohnt sich daher, vor der Anmeldung ehrlich abzuwägen, welches Format zum eigenen Lerntyp und Thema passt.
Welche technischen Voraussetzungen brauche ich?
Die gute Nachricht vorweg: Die technischen Hürden für ein VHS-Webinar sind niedrig. In aller Regel genügen ein Computer, Laptop, Tablet oder sogar ein Smartphone sowie eine stabile Internetverbindung. Die meisten Volkshochschulen setzen auf Plattformen, die direkt im Browser laufen, so dass keine aufwendige Installation nötig ist. Sinnvoll sind außerdem:
- ein Headset oder Kopfhörer mit Mikrofon für besseren Ton
- eine Webcam, um sich aktiv einzubringen – bei reinen Vortrags-Webinaren oft verzichtbar
- ein ruhiger Platz, an dem man ungestört zuhören und sprechen kann
- ein aktueller Browser sowie gegebenenfalls die kostenlose App der genutzten Plattform
Wer unsicher ist, sollte vor dem ersten Termin den von der VHS oft angebotenen Technik-Check oder Testraum nutzen. Dort lässt sich in Ruhe prüfen, ob Kamera, Mikrofon und Verbindung funktionieren. Viele Volkshochschulen bieten zudem telefonische Unterstützung an, falls beim Einstieg etwas klemmt. Vorkenntnisse im Umgang mit Videokonferenzen sind hilfreich, aber keine Bedingung – gerade für Einsteiger gibt es eigene Kurse, die genau diese Grundlagen vermitteln.
Was kosten VHS-Webinare?
Eine pauschale Preisangabe ist bei VHS-Webinaren nicht möglich, denn die Volkshochschulen sind eigenständige, meist kommunal getragene Einrichtungen und legen ihre Gebühren selbst fest. Die Kosten richten sich nach Dauer, Umfang und Thema des jeweiligen Angebots. Grob lassen sich zwei Spannen beobachten: Kurze Vortrags- oder Themenabende sind häufig kostenlos bis kostengünstig und liegen oft im niedrigen einstelligen bis unteren zweistelligen Eurobereich. Mehrwöchige Kurse über ein ganzes Semester, etwa in Sprachen oder EDV, bewegen sich je nach Stundenzahl und VHS in einem höheren Rahmen – vergleichbar mit den entsprechenden Präsenzkursen.
Verbindlich ist immer nur die konkrete Angabe im Programm der gewählten Volkshochschule. Wer auf das Budget achten muss, sollte zudem nach Ermäßigungen fragen: Viele Volkshochschulen gewähren reduzierte Gebühren etwa für Menschen mit geringem Einkommen, Auszubildende, Studierende oder Inhaber bestimmter Berechtigungsnachweise. Auch ein Bildungsurlaub oder eine Bildungsprämie kann unter Umständen bei der Finanzierung helfen.
Wie melde ich mich fĂĽr ein VHS-Webinar an?
Die Anmeldung zu einem VHS-Webinar funktioniert im Kern genauso wie bei einem Präsenzkurs. Der bequemste Weg führt über die Webseite der jeweiligen Volkshochschule: Dort sucht man im Online-Programm nach dem passenden Kurs, legt ihn in den Warenkorb und meldet sich verbindlich an. Daneben sind in der Regel auch eine telefonische, schriftliche oder persönliche Anmeldung möglich.
Nach der Anmeldung erhalten die Teilnehmenden meist eine Bestätigung sowie kurz vor Kursbeginn die Zugangsdaten beziehungsweise den Einladungslink zum virtuellen Klassenzimmer. Häufig ist zusätzlich eine einmalige Registrierung auf der genutzten Lernplattform erforderlich. Es empfiehlt sich, diese E-Mails aufmerksam zu lesen und den Zugang rechtzeitig vor dem ersten Termin zu testen. Da auch beliebte Webinare ausgebucht sein können, lohnt sich eine zügige Anmeldung nach Erscheinen des neuen Programms.
Vor- und Nachteile von VHS-Webinaren
Ob ein Webinar die richtige Wahl ist, hängt stark von den eigenen Bedürfnissen ab. Die folgende Gegenüberstellung hilft bei der ehrlichen Einordnung. Für ein VHS-Webinar sprechen:
- Teilnahme von zuhause, ohne Anfahrt und ohne Wegzeiten
- Zugriff auf Kurse im gesamten Bundesgebiet, nicht nur vor Ort
- feste Termine, die fĂĽr Struktur und Verbindlichkeit sorgen
- direkter Austausch mit der Kursleitung und anderen Teilnehmenden in Echtzeit
- gĂĽnstige GebĂĽhren, da die VHS gemeinnĂĽtzig und nicht gewinnorientiert arbeitet
Dem stehen einige Nachteile gegenĂĽber, die man kennen sollte:
- der persönliche Kontakt fällt knapper aus als im Präsenzunterricht
- technische Probleme oder eine schwache Internetverbindung können stören
- längeres Sitzen vor dem Bildschirm ermüdet manche Teilnehmende
- praktische, körpernahe Inhalte lassen sich nur eingeschränkt vermitteln
- man braucht etwas Eigeninitiative, um aktiv mitzumachen statt nur zuzuhören
Praktische Tipps fĂĽr das erste VHS-Webinar
Wer zum ersten Mal an einem Webinar teilnimmt, ist oft etwas aufgeregt. Mit ein wenig Vorbereitung gelingt der Einstieg jedoch reibungslos. Folgende Tipps haben sich bewährt:
- Loggen Sie sich einige Minuten vor Beginn ein, um Technik und Ton in Ruhe zu prĂĽfen.
- Suchen Sie sich einen ruhigen Platz mit guter Beleuchtung und ohne Hintergrundlärm.
- Schalten Sie Ihr Mikrofon stumm, wenn Sie nicht sprechen – das reduziert Störgeräusche.
- Halten Sie Block und Stift oder ein Notizdokument bereit, um Wichtiges festzuhalten.
- Trauen Sie sich, Fragen im Chat oder per Wortmeldung zu stellen – dafür ist das Live-Format da.
- Legen Sie bei längeren Kursen kurze Pausen ein und gönnen Sie den Augen Erholung.
Ein häufiges Missverständnis ist die Annahme, ein Webinar sei eine bloße Berieselung wie ein Video. Tatsächlich lebt es vom Mitmachen: Wer sich einbringt, Fragen stellt und an Übungen teilnimmt, lernt deutlich mehr. Ebenso falsch ist die Sorge, man müsse ein Technikprofi sein. Die genutzten Plattformen sind bewusst einfach gehalten, und die Kursleitung hilft im Zweifel weiter.
Fernschulen als Alternativen zu Online-Kursen und Webinaren der VHS
Das deutsche Volkshochschulwesen ist ein wesentlicher Teil des Bildungswesens und insbesondere im Bereich der Erwachsenenbildung unverzichtbar. Die Volkshochschulen haben digitale Lernformen mittlerweile fest in ihr Angebot integriert. Das Angebot wächst stetig, ist aber je nach VHS unterschiedlich umfangreich.
Wer das Internet zur persönlichen oder beruflichen Weiterbildung nutzen möchte und dabei großen Wert auf erprobte und etablierte Konzepte mit fester Zertifizierung setzt, sollte ergänzend auch der einen oder anderen Fernschule Aufmerksamkeit schenken. Dort stehen zahlreiche staatlich zugelassene Fernlehrgänge zur Auswahl, während die Anbieter über langjährige Erfahrungen verfügen. Für eine niederschwellige, günstige und persönliche Weiterbildung bleiben die Webinare der Volkshochschulen jedoch eine ausgezeichnete erste Anlaufstelle.


